Spontan oder Plan?

Gestresst! Ressourcen niedrig!

Das war es, was meine Pulsuhr in den vergangenen Wochen anzeigte.

 

Der Sache erst keine große Beachtung schenkend, machte ich weiter wie bisher, wuselte schon nach dem Aufstehen durch die Wohnung, vom Kindergarten zur Arbeit, wieder zurück in den Kindergarten und startete nicht selten ohne Mittagessen in den Nachmittag, wo mich Haushalt, Organisatorisches, Bürokram und Kinderbetreuung gleichzeitig erwarteten.

 

Mit der Stimme im Hinterkopf: „Gerade du solltest es eigentlich besser wissen!“

 

 Nicht selten war ich an den Abenden so müde, dass ich mit dem kleinen Lehrmeister gegen 18.30 einnickte, wieder aufstand, nur um aus meinem „Feierabend“ eine Aneinanderreihung von Intermezzi zu veranstalten.

 

Auf der Couch angekommen, beantwortete ich spontan noch ein E-Mail hier, ein paar SMS da, um zum Amüsement meines Mannes, die Nachrichten so gar nicht mitzubekommen. Die Zimmerpflanzen schauten vorwurfsvoll rüber, weil durstig, ein neuer Installateur musste gegoogelt werden und Weihnachtsgeschenke sollten ja auch noch organisiert werden.

 

Den Kopf bei der wöchentlichen Essensplanung und der Einkaufsliste vor der Nase, fiel mir ja noch die überfällige Buchhaltung ein, die ich heute wieder nicht geschafft hatte.

 

Ich gab mir selbst den erhobenen Zeigefinger, wenn ich es wieder nicht zum Laufen geschafft hatte oder zu müde war, um etwas für den nächsten Tag vorzukochen, ohne dabei zu merken wie ich durch meine Gedanken und mein Handeln die kleinen, raren Auszeiten meines Tages sabotierte, die Körper und Geist so notwendig brauchten.

 

Obwohl die Tage so ausgefüllt waren, schwebte über meinem Kopf diese immer noch wachsende To Do-Liste. Abends hatte ich nur selten das wohlige Begleit-Gefühl, etwas geschafft oder erledigt zu haben.

 

Irgendwann war meine Geduld deutlich schneller verbraucht als sonst. Ich eilte durch den Tag wie ein Duracell-Häschen, das Gefühl von Hetzte, Stress und Zeitverlust in mir.

 

Ich wollte heute doch so viel schaffen, so vieles erledigen. Ganz spontan, ohne Plan – und dabei am liebsten alles, was nur irgendwie geht!

 

Auch unter dem Blickwinkel, wenn du heute mehr schaffst, dann hast du morgen vielleicht etwas Pause.

 

Als ich an einem Adventsonntag, den Staubsauger schwang, statt bei Keksen und Tee die Vorweihnachtszeit zu genießen, wurde mir plötzlich klar. Die mentale To Do-Liste würde nicht weniger, nur weil ich mir keine Pausen gönnte.

 

Das einzige, das weniger wurde, waren meine Energietanks.

 

Unsere Aufgaben, Erledigungen und Verpflichtungen begleiten uns jeden Tag, sie verändern sich, Dinge fallen weg, kommen dazu, manches muss gleich erledigt werden, anderes kann warten. 

 

Das Wort spontan war für mich bisher nur positiv assoziiert, etwas zu tun, worauf man gerade Lust hat .

Doch spontan kann auch bedeuten, sich aus seiner Entspannung rausreißen zu lassen, weil man z.B. gerade das schmutzige Geschirr entdeckt hat.

 

Was es für mich also gerade brauchte, war weniger spontan – mehr Plan!

 

Ein Plan, der meinen Tag in produktive Zeit und entspannte Zeit aufteilt.

 

Ein Plan, der nicht als Ziel hat, alles an einem Tag zu schaffen, sondern der es mir erlaubt meine Zeit realistisch zu strukturieren.

 

Ein Plan, der feste Zeiten für die Dinge berücksichtigt, die mir wichtig sind.

 

Ein Plan, der nicht fällt, nur weil andere Menschen über meine Zeit verfügen möchten.

 

Ein Plan, der in den Richtigen Momenten entschleunigt, Pausen ermöglicht und Prioritäten setzt.

 

 

Wir leisten so viel jeden Tag und vergessen dabei häufig auf unsere Erholungszeiten.

 

Mein Plan für dieses Jahr lautet also: Prioritäten setzen, dadurch gewonnenen Zeit für Pausen nutzen und wieder mehr auf mich schauen.

 

Und meine Pulsuhr zeigt demnächst hoffentlich wieder „Entspannt! Ressourcen hoch!" an. 2022 kann kommen!