Müssen wir es allen recht machen?

Wäre ich eine Superheldin, dann wäre mein Name „Harmony“. Meine Superkraft wäre es, den Menschen um mich herum ein wohliges Gefühl zu schenken. Denn ich mag es gerne friedlich, harmonisch, streite mich selten und auch ungerne.

 

 

Muss nur noch schnell die Welt retten!

Ich kümmere mich, „muss schließlich die Welt retten“, bin ein Teamplayer, kompromissbereit, loyal und bescheiden, oft auch ein wenig selbstlos.

Mein friedfertiges Wesen verleitet mich oft zu dem Wunsch, es allen recht zu machen. Ist doch schön, wenn sich die Menschen in meiner Umgebung so richtig wohl fühlen.

Ich denke nicht, dass es sich dabei um eine Schwäche handelt. Es ist eher eine Ausprägung des Charakters. Denn sehr wohl haben Menschen mit diesem Antreiber auch eigene Meinungen, Bedürfnisse und Wünsche. Oft bewerten sie allerdings das Wohlbefinden, sowie Standpunkte anderer als wichtiger, z.B. um den Frieden zu wahren.

Superkraft oder Kryptonit? Held oder Esel?

Es ist also Stärke und Schwäche in einem. Superkraft und Kryptonit. Manchmal ist man HeldIn, manchmal auch nur ein Esel. Denn schnell überhört man bei der Mission das Wohlbefinden anderer zu stärken, die eigenen Bedürfnisse, oder teilt seine Wünsche erst gar nicht mit. Das führt schließlich dazu, dass die eigenen Wünsche auch nicht gehört werden und somit niemand darauf eingehen kann. Blöd, oder?

Sich um andere zu kümmern ist schön, Rücksicht zu nehmen auf die Bedürfnisse anderer ist gut! Aber nur dann sinnvoll, wenn wir auch noch genügend Zeit und Ressourcen finden, um auf uns selbst zu schauen. Alles andere führt zu Überforderung, fehlenden Regenerationszeiten, innerem Stress und zehrt an so manchen Superkräften.

Man darf Dinge verstehen, muss sie aber nicht gutheißen!

Um unsere Superkraft, die Empathie zu schützen, müssen wir also gut auf uns selbst aufpassen. Darauf schauen, was unsere eigenen Werte sind und wo wir Grenzen setzen. Wir dürfen unsere Meinung sagen, gleichzeitig aber auch andere in ihrer Meinung verstehen. Wir dürfen es anderen recht machen, wenn es für uns passt, und genauso dürfen wir es sein lassen, wenn es für uns nicht passt.

Hierzu eine Geschichte

Zu diesen Zeilen hat mich die nachfolgende Geschichte inspiriert, die mir kürzlich untergekommen ist. Ich finde sie so genial, dass ich sie hier mit dir teilen möchte:

Es ist die Geschichte von einem Vater, der mit seinem Sohn und seinem Esel einen längeren Weg zu gehen hat. Der Vater ist ein schon etwas älterer Mann und sitzt auf dem Esel, der Sohn geht neben den beiden her.

 

Da kommt ein Mann vorbei und schüttelt den Kopf: “Was ist das für ein Vater? Lässt seinen armen Jungen, mit seinen kurzen Beinen neben dem Esel gehen, das ist doch viel zu anstrengend“, sagt er und geht empört weiter.

 

Verunsichert steigt der Vater vom Esel ab und setzt den Jungen drauf. Sie gehen weiter und eine Frau kreuzt ihren Weg: "Unverschämt, da sitzt dieser Junge wie ein kleiner König auf dem Rücken des Esels und lässt seinen armen, alten Vater nebenherlaufen.“

 

Erneut verunsichert, beschließt der Vater sich zu seinem Sohn mit auf den Esel zu setzen und die beiden reiten die Straße entlang. „Gibt es sowas“ rief da eine alte Frau „was für eine Tierquälerei, der Esel kann ja kaum mehr laufen, solche zwei Nichtsnutze auf dem armen Tier, das ist doch viel zu schwer!“

 

Vater und Sohn steigen schlechten Gewissens ab und gehen von nun an neben dem Esel her. Als sie in die Stadt kommen, werden sie von einer Gruppe von Leuten belächelt: „Was sind denn das für Idioten? Haben einen Esel dabei, aber keiner reitet darauf!“

 

Du siehst also, es ist ein Ding der Unmöglichkeit es allen recht zu machen. Und ehe man sich versieht ist man selbst der Esel  ;-) !